27. März 2010
Morgenstimmung bei Moos mit Fischadler & Co.
Der Temperatursturz der letzten Tage von 22°C auf rund 7°C zeigte an, dass sich der Winter nur ungern verabschieden will. Bei frischen Temperaturen und wechselhafter Witterung mit Sonne und Regentropfen heute Samstagmorgen, 27.03.2010, beobachtete ich wie so oft auf dem Bootssteg bei Moos / Radolfzeller Aachmündung und genoss die wunderschöne Stimmung. Auf dem Bootssteg empfingen mich um 07:20h etwa 20 auf dem Geländer sitzende Rauchschwalben, die später dann über dem Wasser nach Insekten jagten. Schmelzwasser und Regen der letzten Tage hatte den Bodenseewasserstand um rund 20cm ansteigen lassen, was sich im Gebiet an der Aachmündung mit geschrumpfter Sandbank und schmalerem Schlickstreifen vor dem Schilfrand niederschlug (Bodensee-Pegel Konstanz bei 293cm). Das Blaukehlchen zeigte sich heute Vormittag nicht, vielmehr waren es etwa 8 Rohrammern und rund 10 Zilpzalpe, die sich in dieser Zone aufhielten. Auf der Sandbank war eine kleine Limikolenparade mit 7 Alpenstrandläufern, 6 Kiebitzen, 4 Kampfläufern, 3 Flussregenpfeifern (z. T. balzend) und 4 Grossen Brachvögeln zu sehen, ein Silberreiher sass stoisch am Schilfrand und unweit davon zeigte sich erneut ein männlicher Fasan. Das wiederholte Absuchen des Horizontes nach ziehenden Vögeln wurde mit der Entdeckung eines um 08:50 Uhr durchziehenden Fischadlers "belohnt". Er zog tief über das Gebiet und passierte Radolfzell in Richtung der Halbinsel Mettnau. Weiterhin auffällig ist der grosse Trupp Schwarzhalstaucher (heute mind. 122 Ind.), mit vielen balzenden Paaren. Ferner ist der junge Zwergschwan immer noch anwesend. Er hat den Abzug der im Ermatinger Becken überwinternder Familie offenbar verpasst oder scheint geschwächt zu sein. Ob er bei Moos übersommern wird? Neben diesem vielfältigen Vogelgeschehen mit über 45 beobachteten Arten war die landschaftliche Stimmung ebenso beeindruckend, indem die ungewohnt und föhnbedingt sehr nahe liegenden Allgäuer Alpen (wahrscheinlich) mit der Insel Reichenau wie verschmelzt erschienen.
Der Fischadler kann auf dem Heimzug ab Mitte März beobachtet werden, mit einem Gipfel in der ersten Aprilhälfte und einem bis in den Mai hinein andauernden Zug. Aus dem Bodenseegebiet liegen aus den vergangenen Jahren sogar ein paar Juni-Nachweise vor.
Die nebenstehende Karte zeigt die bisher auf dem Heimzug 2010 beobachteten Fischadler in der Schweiz (Quelle: www.ornitho.ch).
18. März 2010
Der durch die Kälte anfangs März ausgelöste Zugstau hat sich inzwischen aufgelöst
Der erneute Wintereinbruch mit Kälte und Frost im ersten Märzdrittel löste einen gewaltigen Zugstau bei vielen heimziehenden Vögeln aus. Vor allem Singdrosseln erlitten viele Verluste. Geschwächte und hungernde Vögel waren überall auf gefrorenen Wiesen, Feldern und in Ortschaften anzutreffen. Auch andere Vögel, wie z. B. der Kiebitz, litten unter dem Frost und den gefrorenen Böden. Um den 12.3.2010 schien sich die Lage zunehmend zu entspannen, bei langsam steigenden Temperaturen und dem Auftauen der Böden.
Seit einigen Tagen und bei fast frühlingshaftem Wetter ist nun deutlicher Vogelzug sichtbar. So z. B. in der Region Schaffhausen, wo am 15.03.2010 u. a. mehr als 1280 Kiebitze, über 500 Hohltauben, 950 Ringeltauben und 200 Kernbeisser durchzogen.
Am 17.03.2010 flogen vormittags 2 Schwarzstörche über den Galgenbuck in Neuhausen a.Rhf., und am 17.03.2010 bei Schaffhausen über 2400 Kernbeisser, 1000 Ringeltauben, 6 Rohrweihen, 1 Kornweihe und 50 Mäusebussarde.
08. März 2010
Blaukehlchen, Kranich und Goldregenpfeifer bei Bise und Minustemperaturen
Die anhaltende extreme Wetterlage mit einer starken Bise und Temperaturen unter Null Grad, tagsüber nun mit wärmender Sonneneinstrahlung, beeinflusst das Vogelgeschehen weiterhin. Überall auf Feldfluren, in Gärten und Parks sind zahlreiche Drosseln (v.a. Sing-, Wacholder- und Misteldrosseln) zu beobachten. Auffällig sind weiterhin auch die vielen Gruppen von Kiebitzen, die in den Feldern und Riedwiesen Nahrung suchen. Bei Bohlingen im Radolfzeller Aachried am 08.03.2010 landen nachmittags 12 Kraniche, während 4 Kornweihen im Gebiet jagen, 3 Saatgänse äsen und 8 Goldregenpfeifer zusammen mit Kiebitzen und Drosseln ebenfalls anwesend sind. Welch ein wunderbarer Anblick! Bei Moos an der Radolfzeller Aachmündung hielt sich heute um 16:40h 1 BLAUKEHLCHEN auf; ein sehr früher Nachweis durch M. Roost und S. Trösch.
Goldregenpfeifer-Beobachtungen in der Schweiz seit 01.03. bis 08.03.2010
Die online-Eingabeplattform für Vogelbeobachtungen www.ornitho.ch stellt - neben anderen Dienstleistungen - eine täglich aktualisierte Karte der Schweiz mit den Beobachtungen des Goldregenpfeifers zur Verfügung.
Kiebitz-Beobachtungen in der Schweiz seit 15.02.10 bis 08.03.10
Der Kiebitz ist ein regelmässiger Durchzügler in der Schweiz. Der Heimzug im Frühling kann in der Schweiz schon Ende Januar/anfangs Februar erfolgen und ist in der ersten Märzhälfte am stärksten. Besondere Wetterlagen mit Schnee, Kälte und Bise können den Zug verzögern und zu stauartigen Ansammlungen führen. Kartenausschnitt von www.ornitho.ch.
07. März 2010
Inmitten dieser spektakulären Winterfluchtbewegung hielten sich am 06.03.2010 zwischen Bohlingen und Moos (westlicher Bodensee) bis 48 Goldregenpfeifer auf den Wiesen auf, ferner auch bis zu 300 rastende Kiebitze, am 07.03.2010 sogar 53 Goldregenpfeifer und mehr als 450 nach West ziehende Kiebitze. Goldregenpfeifer sind auf ihrem Zug (Oktober/November, Februar/März) meist nur in einzelnen oder in kleinen Gruppen anzutreffen, zudem gerne mit Kiebitzen vergesellschaftet. Truppgrössen wie im vorliegenden Falle sind selten und stehen mit den besonderen Wetterverhältnissen (Zugstau) im Zusammenhang.
Erneuter Wintereinbruch löst Umkehrzug und Schneeflucht aus
Am 06.03.10 schneite es am Vormittag in weiten Teilen des Bodenseegebietes und der Schweiz während Stunden. So schnell dieser Wintereinbruch eintrat, so rasch wechselte er am späten Vormittag wieder in recht sonniges, aber immer noch abwechslungsreiches Wetter. Nur Minuten nach Ende des Schneefalles setzte vielerorts eine Massenbewegung von Drosseln ein, die in westliche Richtung zogen (Umkehrzug), allen voran Singdrosseln, aber auch Wacholder-, Mistel- und Rotdrosseln, so gesehen in der Region Schaffhausen und in den Feldfluren südlich Singen.
20. Februar 2010
Die Steinacher Bucht ist bedeutender Winterplatz für die Steppenmöwe
Die Steppenmöwe Larus cachinnans wurde in der Schweiz 1997 zum ersten Mal nachgewiesen. Sie gleicht der in der Schweiz verbreitet auftretenden Mittelmeermöwe Larus michahellis, unterscheidet sich aber mit strukturellen Merkmalen. Der winterliche Einflug der im Osten beheimateten Steppenmöwe bei uns beginnt mit einzelnen Individuen im Herbst, meist aber mit einem markanten Schub Mitte/Ende Dezember. Interessanterweise konzentrierft sich das winterliche Vorkommen am Bodensee, während sie z. B. in der übrigen Schweiz nur an wenigen Stellen, dabei auch in kleinerer Zahl erscheint. Am Bodensee ist die Steppenmöwe regelmässig in grösserer Zahl im Vorarlberger Rheindelta, im Eriskircher Ried (Rotachmündung), gelegentlich im Ermatinger Becken und v. a. in der Steinacher Bucht (Arbon-Steinach) zu beobachten. Dort sind regelmässig Ansammlungen von 20- 50 Ind. zu sehen. Möglicherweise profitieren diese Vögel, neben den ebenfalls häufigen Mittelmeer-, Lach- und Sturmmöwen von Fischereiabfällen, die auf steinacher Seite ausgelegt werden.
16. Februar 2010
12. Februar 2010
Überwinternde Limikolen trotzen dem Schnee und der Kälte
Unsere Wintergäste hatten nur wenige Tage zum Aufschnaufen zur Verfügung. Bereits liegen wieder 10-20cm und das bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt. Sowohl der im Ermatinger Becken überwinternde Dunkle Wasserläufer, die 4 Alpenstrandläufer bei Moos als auch Hunderte von Brachvögeln haben mehrere Wochen mit Frost und Schnee gut überstanden. In der Steinacher Bucht und an der Radolfzeller Aachmündung sind derzeit über 40 Bekassinen zu sehen. Auffällig sind z.B. auch Saatkrähen, die unter dem Nahrungsdruck selbst in Ortschaften und zunehmend auf den verschneiten Feldern zu sehen sind.
07. Februar 2010
"Seetaucherstrecke" zwischen Münsterlingen und Uttwil
Diesen Winter halten sich in diesem Gebiet zwischen 30 und 40 Prachttaucher auf, die v. a. bei ruhigem Wasserspiegel und guter Sicht beobachtet werden können. Die Vögel sind sehr mobil und können durch ihre Ortsverschiebungen zusätzliche Individuen vortäuschen. Oft halten sich die Vögel über 1 km vom Ufer entfernt auf, umgekehrt auch wieder ufernah.
29. Januar 2009
Überwinternde Grosse Brachvögel am Bodensee im Nahrungsdruck
Im Bodenseegebiet überwintern alljährlich rund 1000 Grosse Brachvögel. Die klimatischen ujnd nahrungsökologischen Verhältnisse ermöglichen es dieser grössten Watvogelart hier erfolgreich zu
überwintern. Lang andauernde Frostphasen und hohe Schneelagen setzen diesem eleganten Vogel auch zu. Der Nahrungsdruck - angesichts von tief verschneiten Feldern und Wiesen - ist hoch. Die
Brachvögel suchen daher auch Siedlungsnähe auf und können (wie auf dem Bild oben) sogar inmitten der Ortschaft angetroffen werden.
Die geografische Karte zeigt die Situation am 28.01.2010 in der Region Arbon - Frasnacht, an einem Tag mit Schneefall, rund 15-20cm tief verschneiter Landschaft und Temperaturen um -2°C.